Untersuchungen bei Luftundichten der Gebäudehülle

Neue Prüfmethoden, Feststellungen am Objekt, Schadenbeispiele

Dipl.-Ing. Karl Heinz Giebeler, Bau-Sachverständiger, Hofheim-Wallau

Artikel veröffentlicht: Schwetzinger Fachseminar im Schloß (09/1995), hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors

1. Luftundichten - ein neues Problem
2. Warum ist die Luftdichtheit ein Thema?
3. Beweisnotstand des Sachverständigen
4. Neue Verfahren zur Luftdichtheitspüfung
4.1 Spurengasmeßtechnik (Tracergas-Methode)
4.2 Differenzdruckmethode
4.3 Luftwechselzahl
5. Ergänzende Verfahren (Visualisierung)
5.1 Nebelprüfung
5.2 IR-Technik oder Farbfernsehen durch Thermografie
6. Neue Anwendungsgebiete der Visualisierung

 

1. Luftundichten - ein neues Problem?

Hausbewohner haben schon immer im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten an der Luftdichtheit ihrer Häuser gearbeitet.Darunter fallen alle luftdichtenden Maßnahmen wie beispielsweise früher bei der Blockbauweise das Verstopfen der Fugen mit Moos oder - bis jetzt - das Einkleben von Schaumstoffdichtungen in Holzfenstern.

Fast alle Hilfsmaßnahmen zielten darauf ab, die Winddichtheit, d.h. den Luftdurchgang von außen zu beheben. Sie entstanden fast ausnahmslos aus einer Behaglichkeitsstörung durch Zugerscheinungen.

Erst mit der Erdölkrise 1973 kam ein neues Bewußtsein auf, Energie zu sparen d.h. die Wärmeverluste zu reduzieren und neben den Transmissions- auch die Lüftungsverluste zu begrenzen. Trotz der beiden Wärmeschutzverordnungen und anderer Regelwerke,in denen die Luftdichtheit der Gebäudehülle vorausgesetzt oder gefordert wurde, kam es jedoch auf diesem Gebiet zu keinem allgemeinen Durchbruch in der Baubranche. Rühmliche Ausnahmen sind hier alle Beteiligten vom energiesparenden Bauen, wie z.B. der Bereich der Niedrigenergiehäuser.

Die Thematik der Luftdichtheit wurde jedoch 1993 mit der Bekanntgabe und Diskussion der Wärmeschutzverordnung 1995 im ganzen Land angeschoben. Ein stärkeres Bewußtsein in der Fachwelt begann m.E. jedoch erst seit letztem Winter, u.zw. mit der Gültigkeit der neuen Wärmeschutzverordnung am 1.1.1995. An diesem Wandel hat die Industrie mitgewirkt, die für die Problematik der Luftdichtheit nun vielfältige Lösungen anbietet, wie bes. seit den Baufachmessen Anfang dieses Jahres zu beobachten ist.

 

2. Warum ist die Luftdichtheit ein Thema?

Das Problem der Luftdichtheit kommt hauptsächlich aus dem Bereich der Leichtbauweise. Massivbauweisen, wie zweiseitig geputztes Mauerwerk und Betonbauteile sind luftdicht; Problemstellen befinden sich hier nur bei Bauteilanschlüssen.

Da unsere Gebäude jedoch vorwiegend in Mischbauweise errichtet werden, wie beispielsweise Vollgeschosse in Mauerwerk mit Betondecken, aber einem bewohnten Dachgeschoß in Leichtkonstruktion, bleibt dieses Thema aktuell. Besonders gefährdet sind natürlich ganze Bauvorhaben in Leichtkonstruktion, wie üblich im bisherigen Fertighausbau.

Da allein die Leichtdachkonstruktionen in vielen Varianten hergestellt werden können, ferner die Dachflächen in der Regel durch zahlreiche Dachflächenfenster und Gauben unterbrochen sind, ergeben sich hier schon zahlreiche Problemfelder für jede einzelne Konstruktionsart.

 

3. Beweisnotstand des Sachverständigen

In den vergangenen Jahren wurden an zahlreichen Mängeln und Schäden die Probleme der Luftdichtheit erkannt, aber es konnten die Luftundichten schlecht nachgewiesen und vor allem nicht quantifiziert werden.

Sachverständige werden öfters in einem Beweisbeschluß beauftragt festzustellen "daß es in der Wohnung X zieht und die Wohnbehaglichkeit gestört ist" oder aber "daß die Dachgeschoßwohnung Y nicht ausreichend warm wird". Es ist fast schon Glückssache, wenn an einem meist mehrere Wochen vorher festgesetzten Ortstermin die Windverhältnisse bez. Windstärke und Windrichtung genau so auftreten, daß die Beweisbehauptung vom Sachverständigen nachvollzogen werden kann. Zugerscheinungen sind jedoch dann nicht feststellbar, wenn beim Ortstermin Windstille herrscht oder der Wind aus einer anderen Richtung kommt. Außerdem ist es schwierig Zugerscheinungen konkret zu beschreiben, da diese von jedem Menschen subjektiv je nach Alter, Geschlecht, Kleidung, Beschäftigung usw. unterschiedlich empfunden werden.

Der Sachverständige befand sich also in den vergangenen Jahren vielfach in einem echten Beweisnotstand, indem er die Beweisbehauptungen weder bestätigen noch verneinen konnte.

 

4. Neue Verfahren zur Luftdichtheitspüfung

Bis vor wenigen Jahren gab es in Deutschland kein einfaches Meßsystem, mit welchem die Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle unabhängig von Witterungsverhältnissen, ferner vergleichbar und definiert bestimmt werden konnte. Aus dem genannten Notstand heraus entstanden im Ausland, bes. den USA, verschiedene Meßmethoden, die weiterentwickelt wurden und nun auch bei uns angewandt werden. Von den Entwicklungen sind auf dem deutschen Markt bisher nur zwei Methoden bekannt geworden.

 

4.1 Spurengasmeßtechnik (Tracergas-Methode)

Dieses Verfahren wird bei natürlichem Raumdruck eingesetzt. In den Prüfraum wird ein unschädliches Gas eingebracht und mit der Raumluft vermischt. Durch die Undichten der Gebäudehülle nimmt die Konzentration laufend ab und wird in regelmäßigen Abständen gemessen. Aus dem Maß der Verdünnung läßt sich auf die Undichten und auf eine Luftwechselzahl bei den vorliegenden Witterungsverhältnissen schließen. Da die Messung bei Normaldruck erfolgt, ist das Meßergebnis naturgemäß stark windabhängig. Dieses Verfahren hat in Deutschland bisher für die Gebäudeprüfung keine Bedeutung erlangt. Es muß jedoch erwähnt werden, weil herstellerseitig Meßmethoden geplant sind, die der Bewohner selbst durchführen soll, worüber bereits Abhandlungen in Fachzeitungen erschienen sind.

 

4.2 Differenzdruckmethode

Vor ca. 15 Jahren wurde in den USA diese relativ einfache Untersuchungsmethode entwickelt, mit der die Luftundichtheit der Gebäudehülle konkret nachgewiesen werden kann und die es erlaubt, die Luftdichtheiten in einer Kennzahl auszudrücken.

Bei dieser Methode wird der Prüfraum (Einfamilienhaus, Wohnung oder Dachgeschoß) unter einen leichten Überdruck von 50 Pa = ca. 5 mm Wassersäule (WS) und anschließend unter einen Unterdruck ebenfalls von 50 Pa gesetzt. Dazu wird ein entsprechend großer Axialventilator in einer Haus- oder Wohnungstür mit einem verstellbaren Segeltuchverschluß eingebaut, bekannt meist unter "Blower-Door". Der Ventilator ist durch die verschiedenen Regelmechanismen in seiner Förderleistung so einstellbar, daß für die jeweiligen örtlichen Verhältnisse die notwendige Luftmenge gefördert wird, die für den gewünschten Über- oder Unterdruck erforderlich ist. Bei einer Messung werden verschiedene Drücke gefahren, z.B. 20, 30, 40, 50, 60 Pa, damit Leistungskurven gezeichnet werden können. Die vom Türventilator geförderte Luftmenge entspricht derjenigen, die durch die Leckagen strömt. Für die Messung werden alle Luftdurchgänge, wie z.B. Badentlüfter, Küchenabzugshauben usw. luftdicht verklebt, so daß nur der Luftdurchgang durch die Gebäudehülle gemessen wird.

Danach wird dann zweckmäßig auf Unterdruck umgeschaltet und somit Außenluft über alle Undichten in den Prüfraum angesaugt. Dabei wird ebenfalls das abgesaugte und das durch die Gebäudehülle nachströmende Luftvolumen ermittelt, welches i.d.R. von dem 'Oberdruckvolumen' abweicht.

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Abb.: 01 Luftdichtheitsprüfung an einem EFH

 

4.3 Luftwechselzahl

Mit der vorgenannten Luftdichtheitsprüfung (LDP) kann nun ein Luftwechselzahl als wesentliche Einheit für die Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle errechnet werden, die für die Normung, ein Vergleich von Wohnungen und einer eventuellen Sanierung erforderlich ist. Die Luftwechselzahl wird bei dem internationalen festgelegten Druck von 50 Pa ermittelt und mit n50 bezeichnet. Sie wird bestimmt durch den von einem kalibierten Ventilator eingeblasenen oder abgesaugten Volumenstrom, der durch die Gebäudehülle dringt und ferner dem Volumen des Prüfraumes, nach der Formel:

n50 = Ventilatorfördervolumen [m³/h] / Raumvolumen [m³] = 1 / h

 

In einem Beispiel soll dies verdeutlicht werden. In einer großen Dachgeschoßwohnung mit hohen Energieverlusten und Zugerscheinungen bei Wind beträgt die Ventilatorleistung 5.200 m³/h bei 50 Pa Raumdruck. Das Netto-Raumvolumen der gesamten Wohnung wurde mit 452 m³ errechnet.

Nach obiger Formel: n50 = 5200m³ / 450m³ = 11,5  1/h

ergibt sich also eine sehr hohe Luftwechselzahl d.h. das Luftvolumen der Wohnung wird bei dem vorgegebenen Druck 11,5 mal pro Stunde ausgetauscht. Diese unzulässig hohe Luftwechselzahl ist nun ein Beweis dafür, daß in der Wohnung keine funktionierende Luftsperre eingebaut wurde, oder andere unbekannte Luftdurchgänge vorhanden sind. Somit ist eine Sanierung vorgegeben. Bei der Unterdruckprüfung wird sich je nach baulichen Verhältnissen eine etwas andere Luftwechselzahl ergeben, hier von z.B. 12. Nach internationaler Normung wird dann die Luftwechselzahl als Mittelwert bei der Untersuchung gebildet, hier also 11,75.

Die errechnete Luftwechselzahl kann nun mit den höchstzulässigen Luftwechselzahlen in den Regelwerken verglichen werden. Nach internationalem Standard werden Grenzwerte für Luftwechselzahlen von 1,0 bis 4,5 angegeben, unterschiedlich für Einfamilienhäuser, Wohnungen in Mehrfamilienhäusern Wohnungen mit Abluftanlagen, Gebäude mit Klimaanlagen. Nach der Sanierung ist durch eine weitere Luftdichtheitsprüfung festzustellen, ob nun die vorgeschriebene Luftwechselzahl nach den Regelwerken erreicht wird.

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Abb. 02: Abhängigkeit der Leckage vom Differenzdruck

 

5. Ergänzende Verfahren (Visualisierung)

Durch die o.g. Prüfmethode ist nicht ohne weiteres bekannt,

ob es sich bei der Undichte um eine einzelne große Leckage oder um viele schmale Fugen handelt;
ob die Undichten vermeidbar (z.B. Leckstelle in der Luftsperre) oder unvermeidbar sind (z.B. Schließfugen an Fenstern, Türen);
ob die Luft über die zu dichtenden Bauteilflächen oder ungewollt über unbekannte Luftschächte, Gitter, Ventilatoren, Durchbrüche usw. entweicht;
ob bei Mehrfamilienhäusern oder Reihenhäusern die Luft über die eigene Bauteilfläche nach außen oder aber in Nachbarwohnungen oder Häuser entweicht;
ob die Messung korrekt war oder durch unbekannte Strömungspfade verfälscht wurde.

Diese Ungewißheiten beruhen nun auf dem physikalischen Tatbestand, daß unser menschliches Auge klare Luft nicht sehen kann, was andererseits ja für uns lebensnotwendig ist. Dieser Vorteil erweist sich bei der Differenzdruckmethode als entscheidender Nachteil; wir müssen daher mit weiteren Hilfsmitteln die Leckageluft visualisieren, d.h. für jeden sichtbar machen. Im folgenden werden daher zur Differenzdruckmethode drei ergänzende notwendige Visualisierungs-Verfahren beschrieben, wie als direktes Verfahren die Nebelprüfung als indirektes Verfahren die IR-Thermografie. In diesem Bereich kann man unbedingt das Wort von Laotse "1 mal sehen ist besser als 1000 mal hören" anwenden, in dem Sinne, es ist weit wirkungsvoller die Leckströmung zu sehen als vielfach eine zu hohe Luftwechselrate zu hören.

 

5.1 Nebelprüfung

Nebelstäbchen und -flaschen

Mit solchen Kleinprüfgeräten, wie u.a. die bekannten Drägerröhrchen, kann man beim Unterdruckverfahren die einströmende Luft an den verschiedensten Stellen visualisieren. Im gleichen Arbeitsgang kann man mit thermischen Anemometern die Geschwindigkeit der Leckageluft und die Wurfweite der Luftbewegung an verschiedenen Fugen und Rissen usw. bestimmen. Bei den Untersuchungen zeigt sich eindeutig, daß Luft in größeren Mengen auch durch so feine Fugen und Risse strömt, die mit dem Auge kaum wahrgenommen werden und die man als luftdicht annehmen würde.

Nebelgenerator

Um bei Überdruck die Luftströmung durch die Gebäudehülle zu visualisieren, werden Nebelgeneratoren eingesetzt, wie sie ähnlich in der Show-Branche bekannt sind, allerdings dort nur um Nebeleffekte am Boden zu erzielen. Für Meßzwecke wird auftriebsneutraler Nebel benötigt. Die Nebelgeneratoren bestehen im wesentlichen aus einem Heizelement, einer Pumpe, einer Düse und dem Fluid-Behälter.

Nach einer Anheizzeit von einigen Minuten ist der Nebelgenerator betriebsbereit; auf Tastendruck oder mit Fernzündung drückt nun die Pumpe das spezielle Nebelfluid aus dem Vorratsbehälter in ein Heizelement, wo es verdampft. Der Nebel wird über eine oder mehrere Düsen ausgestoßen; hinter der Düse kann auch ein Schlauch angeschlossen werden, um den Nebel an bestimmte Stellen zu lenken. Je nach dem Anwendungsbereich sind unterschiedlich große Nebelgeneratoren erforderlich. Für den neuartigen Einsatz im Bauwesen sind die kleinsten Typen nur in Musterdächern einzusetzen, wohingegen für die Luftdichtheitsprüfungen nur die größten Geräte auf dem Markt sinnvoll sind. Da die bisher bekannten Generatoren wegen der notwendigen Aufheizzeiten alle stoßweise arbeiten, und der Nebel andererseits sich in der Raumluft allmählich 'verdünnt' sind nur Großgeräte brauchbar. So haben wir mehrere Geräte von ca. 3800 W Anschlußleistung in Betrieb, die jedoch noch in Wohnungen an die üblichen 16A-Sicherungen angeschlossen werden.

Bei der notwendigen Dokumentation des Nebels durch Fotos, Dias und Videoaufnahmen ist zu bedenken, daß erfahrungsgemäß unser Auge den Nebel besser erkennt, als die 'einäugige' Geräteoptik und daher z.B. auf Fotos der Nebel allgemein schwächer erscheint. Auch von daher sind nur intensive Nebelströmungen gut dokumentierbar, was wiederum auf leistungsfähige Generatoren hinweist. Das eingesetzte Nebelfluid ist nach den Vorgaben des Deutschen Arzneimittelbuches (DAB 6) gesundheitsunschädlich; es wird eine Unbedenklichkeitsbescheinigung eines Prüfinstituts mitgeliefert. Diese Nebelfluide - seit Jahrzehnten in Theatern und in der Show-Branche als unschädlich erwiesen - sind auberdem weitgehend geruchs- und beschlagsneutral.

Feuerwehralarm

Ein starker Nebelaustritt bei einer Luftdichtheitsprüfung sieht einem Wohnungs- bzw. Gebäudebrand so ähnlich, daß besorgte Nachbarn die Dichtheitsprüfung schnell noch um eine Prüfung der Feuerwehr ergänzen können.

Es empfiehlt sich daher grundsätzlich, vor jeder Nebelprüfung die örtliche Feuerwehr zu benachrichtigen und den Beginn und das ungefähre Ende der Prüfung durchzugeben.

Standortbestimmung

Die Luftdichtheitsprüfung ist in den meisten Fällen auch zu dokumentieren, besonders bei einem gerichtlichen Beweissicherungsverfahren oder auch wenn einige verantwortliche Beteiligte nicht am Ortstermin teilnehmen können. Die Aufnahmegeräte sind also vor der Nebelprüfung schon aufnahmebereit zu halten. Bei Gebäuden ist dann zu überlegen, ob man das Gesamtgebäude vernebelt oder ob man raum- oder zumindest etagenweise vorgeht und somit mehr Zeit für die Beobachtung und die Aufnahmen hat. Bei der Prüfung empfiehlt sich also, das gesamte Gebäude unter Überdruck zu setzen, aber den Nebelgenerator Raum- bzw. Geschoßweise u.zw. von oben nach unten, einzusetzen. Bei besonders vermuteten Undichten kann es zweckmäsig sein, den Nebel mit einem Schlauch z.B. DN 200, an den stark leckageverdächtigen Bereich zu lenken. Somit ist ein intensiver Nebeldurchtritt gewährleistet.

Lokalisierung

Der durchtretende Nebel visualisiert den Leckagestrom und es ist i.d.R. die Durchtrittsstelle klar auszumachen. Somit ist auch eindeutig für jeden Beteiligten erkennbar, welcher Bauteilbereich betroffen ist, wie z.B.

Dachfläche, mit einer mangelhaft verlegten Dampfsperre/Luftsperre
Anschlüsse zwischen Dach und Massivmauerwerk
Dachflächenfenster, besonders deren schwierige luftdichte Anschlüsse
Fensteranschlüsse, zwischen Blendrahmen und Mauerwerk
Fensterflügel, als unvermeidbare Undichten.

Über den Nebeldurchtritt an gewissen Stellen ist dann vielfach auch schon der Verursacher festzustellen, wie beispielsweise der Elektriker, wenn an nachträglich angebrachten Außenlampen der Nebel austritt, oder es im Bereich von nachträglich angebrachten Außenlampen der Nebel austritt, oder es im Bereich von nachträglich montiereten Antennenstangen, Sanitärentlüftungen o. dergl. nebelt.montierten Antennenstangen, o.dergl. nebelt.

Größenordnung

Die Intensität des durchtretenden Nebels zeigt auch gleichzeitig in etwa die Größenordnung der Leckage an u.zw. in Relation zu anderen Undichten, wie beispielsweise Undichten der Rolladenkästen gegenüber den unvermeidbaren Fugen der Fensterflügel. Somit ist sofort abzuschätzen, an welchen Stellen nachzubessern ist, s. Fotos 1 u. 2, um ggf. die Luftwechselzahl zu senken. Es wird also vermieden, daß man Kleinststellen saniert und große Leckagen übersieht.

Psychologie

Bei Luftdichtheitsprüfungen ist immer wieder feststellbar, daß eine rechnerisch ermittelte Luftwechselzahl, auch wenn sie weit außerhalb der Regelwerke liegt, die Beteiligten nicht 'vom Hocker reißt'. Nach dem Ausspruch von Laotse reagieren die Beteiligten bei der Visualisierung vollkommen anders; die Nebelprüfung hat also nicht nur einen technischen Wert, sondern auch eine psychologische Bedeutung.

Nach einer Nebelprüfung gibt es kaum noch Diskussionen über die Güte der ausgeführten Arbeiten, weil jeder Beteiligte sich persönlich einen Eindruck machen konnte. Es ist vielmehr sofort die Bereitschaft erkennbar nachzubessern oder zu sanieren. Die Nebelprüfung wirkt überzeugend auf die Beteiligten, ihre eigenen Fehlleistungen einzusehen und gleichzeitig motivierend mit den Nachbesserungen zu beginnen.

Fehlmessungen vermeiden

Bei allen 'einfachen' Differenzdruckmessungen - ohne zusätzliche Visualisierung - besteht die Gefahr, daß unbekannte Strömungspfade ungewollt mitgemessen werden und somit das Ergebnis verfäischt ist. Mit Sicherheit sind viele dieser bisher durchgeführten Untersuchungen falsch, weil Nebenwege nicht erkannt wurden. Das kann so behauptet werden, da erst durch die Nebelprüfung verläßliche Erkenntnisse gewonnen wurden; aus der Anzahl der so aufgedeckten Fehlmessungen ist auf eine erhebliche Anzahl von Fehlergebnissen zu schließen, die ohne Nebelvisualisierung durchgeführt wurden.

Abgesehen von den oben genannten Vorteilen ist die Nebelanwendung für korrekte luftdichtheitsprüfungen unerläßlich, sie ist also hier als eine meßtechnische Notwendigkeit zu sehen. Für Fehlmessungen gibt es 3 verschiedene Kategorien:

1. Strömungspfade aus dem Prüfraum ins Freie; wie z.B. Sanitärentlüftungen, Küchenabzugshauben, Lüftungsgitter, Abluftventilatoren, Installationsschächte, Gurtdurchführungen, usw.

2. Strömungspfade aus dem Prüfraum in eigene ungeprüfte Gebäudeteile; bei Prüfungen in Teilbereichen eines Gebäudes, wie in angrenzende Wohnungen, Keller, Garagen usw., z.B. über Rohrschächte, Wand- und Deckendurchbrüche, offene Stoßfugen des Mauerwerks, etc

3. Strömungspfade aus dem Prüfraum in Nachbarwohnungen oder -gebäude; besonders über Installationsschächte, offene Fugen im Mauerwerk, Verbindungen über den Dachaufbau, usw.

 

5.2 IR-Technik oder Farbfernsehen durch Thermografie

Anwendung

Die Infrarottechnik in Form der Thermografie wird seit Jahrzehnten im Bausektor angewandt. Die Einsatzgebiete waren vor allem die Außenmessungen zur energietechnischen Beurteilung der Gebäudehülle, die Bauteiluntersuchung z.B. Fachwerksuche und die Lecksuche im Inneren z.B. Schäden an bodenverlegten Leitungen.

Mit der Differenzdruckmessung ergeben sich auch für die Thermografie zusätzliche Möglichkeiten im Innenbereich u.zw. als indirekte Methode bei der Unterdruckprüfung.

 

Gerätetechnik

Die mobilen Thermografie-Einrichtungen bestehen heute aus 1. einer Aufnahmekamera, 2. einem Controller und 3. einem externen Monitor oder statt 2) und 3) einem Notebook. Die Kamera erfaßt über einen tiefgekühlten Detektor die Temperaturabstrahlung von Bauteiloberflächen, dagegen nicht die verschiedenen Lufttemperaturen im Bereich dieser Bauteile. Die Geräte bilden aus zahlreichen berührungslosen Einzelmessungen ein Gesamtbild in schwarz/weiß oder Farbe. Bei dem Fabrikat Varioscan der Jenoptik z.B. durch 60.000 Messungen innerhalb von 0,8 Sek. Temperaturunterschiede von 0,1 K sind auf einem Monitor erkennbar. Für die Anwendung bei der Luftdichtheitsprllfung ist bedeutsam, daß über ein eingebautes Diskettenlaufwerk die aufgenommenen Bilder gespeichert, ausgewertet und ausgedruckt werden können, so daß eine aussagefähige Beweisführung erreicht werden kann (siehe Thermogramm 1).

Thermogramm01.gif (12935 Byte)

Thermogramm 1: Kaltlufteintritt am Wandanschluß der Balkendecke wegen nicht angeschlossener bzw. abgeschnittener Luftsperrfolie (Ausführungsfehler)

Bei diesem Temperaturbildsystem kann also nicht die Temperatur der einströmenden Luft, sondern nur die Temperatur der von der Luft beaufschlagten Flächen aufgenommen werden. Daher ist diese Technik bezüglich der Luftdichtheitsprüfung als ein indirektes Verfahren zu bezeichnen. Für eine Innenmessung sind erforderlich:

Unterdruckbetrieb mit dem Türventilator, um Außenluft über die Leckstellen anzusaugen;
Temperaturunterschiede von Außenluft und Bauteilen von mind. 5 K, besser mehr;
eine Abkühlungszeit in Abhängigkeit der Temperaturdifferenzen und der Materialeigenschaften.

Bilddeutung

Die hellen 'warmen' Farbtöne zeigen die höheren, die dunklen 'kalten' Farbtöne die niedrigeren Temperaturen an. Thermogramme aus dem Bereich von Leckagen geben also eindeutig wieder, wie die z.B. kältere Außenluft Bauteilflächen abgekühlt hat; auf den Bildern ist seitlich eine Skala angebracht, so daß die einzelnen aufgezeigten Farben temperaturmäßig eingeordnet werden können. Durch die Größe der Verfärbung und den Farbton kann das geübte Auge sofort Rückschlüsse auf die Bedeutung der Leckage ziehen; so ist zu erkennen, wie weit die einströmende Luft Bauteilflächen beeinflußt, ferner auch ob die Luftströmung senkrecht zur Hüllfläche (z.B. Fugen zwischen Dämmplatten) oder längs an den Bauteilflächen (z.B. Überlappungen einer Dampfsperre) verläuft.

 

6. Neue Anwendungsgebiete der Visualisierung

Geruchsbelästigung

In einer Reihenhausanlage gibt es einstöckige Vorhäuser, durch welche die Gebäudetrennung verläuft. Der Eigentümer A nutzt sein Vorhaus als Küche, der benachbarte Eigentümer B, ein Schriftsteller, als Arbeitszimmer. Dieser geistig Arbeitende fühlt sich durch die Küchengerüche der Nachbarin in seinem Schaffen gestört, insbes. bei Sauerkraut. Im Rahmen eines Beweissicherungsverfahrens sollte geklärt werden, ob es überhaupt möglich ist, daß Küchengerüche von Raum zu Raum übertragen werden. Der Bauträger vermutete vielmehr, daß die Geruchsbelästigungen über die Fenster zustande kämen, obwohl diese in entgegengesetzter Richtung liegen. Für den Bausachverständigen erab sich ein erhebliches Beweisproblem; er hätte bei dem gerichtlichen Ortstermin zwar ein Probekochen mit Sauerkraut veranlassen können, er konnte jedoch nicht bei diesem Ortstermin den Wind in die gewisse Richtung bestellen. Wir wurden zur Problemlösung eingeschaltet und konnten hier durch die Differenzdruck- und Nebelprüfung den Beweis erbringen. Durch die Prüfung war nun der Beweis erbracht, daß

die Raumluft bis in die Dachkonstruktion dringen konnte;
die Dachkonstruktion über der Brandwand nicht getrennt war;
ein Luftaustausch von Raum zu Raum bei gewissen klimatischen Verhältnissen auftreten konnte und somit auch die Geruchsbelästigung möglich war.

 

Schadstoffbelastung

In einem Einfamilienhaus befindet sich über dem Wohnzimmer eine Paneeldecke, darüber Mineralfaserbahnen auf Papierkaschierung, verlegt zwischen den Balken: es fehlt jedoch eine geschlossene Dampf- bzw. Luftsperre über den Paneelen. Der darüber befindliche Speicher ist aufgrund der geringen Dachneigung nur in einem kleinen Teilbereich unter dem First benutzbar; hier sind Bretter für Ablagezwecke auf den Balken angebracht. Der sonstige Bereich der Decken liegt frei und ist somit auch dem äußeren Windangriff ausgesetzt, da nur eine Unterspannbahn angebracht ist. Es sollte nun fachkundig überprüft werden, inwieweit eine Paneeldecke gegen die Stäube aus dem Speicherraum und der Mineralfaser die Bewohner schützen kann.

Zu dieser Untersuchung stellten wir den Nebelgenerator auf den Speicher und erzeugten mit dem Blower-Door Unterdruck im Wohnzimmer. Der Nebel drang dann schlierenartig an jedem Paneelstoß nach unten; somit war der Erweis erbracht, daß bei entsprechenden Windverhältnissen sowohl aus dem Speicher, als auch aus dem Dämmaterial, Stäube und Schadstoffe in das Wohnzimmer eingetragen werden.

Mit der Thermografieeinrichtung konnte dann zusätzlich die Luftströmung durch jeden Paneelstoß aufgezeigt und auf Diskette zu Beweiszwecken festgehalten werden. (siehe Thermogramm 2)

ir_decke_k.jpg

Thermogramm2 : Kaltlufteintritte an den Paneelstößen wegen fehlender Luftsperrfolie (Planungsfehler)

© Dipl.-Ing. Karl-Heinz Giebeler

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